Bauruinen
Sie sind überall in der Republik Zypern. Vor allem in den Städten, aber auch in kleineren Orten: Bauruinen, wie die oben im Bild gezeigte in meiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Es geht nicht um die Ruinen oder ganzen Geisterstädte wie Varosha, die aus der Zeit des Bürgerkriegs und der Teilung der Insel stammen, sondern um deutlich neuere Gebäude. Bei einigen kann man sich als Laie noch vorstellen, dass diese irgendwann einmal weiter gebaut werden, bei vielen scheint das aber unvollstellbar, weil offensichtliche Schäden wie aufgeplatzer Beton in den Böden und Decken vorhanden sind.
Als Gründe für die Existenz dieser Bauruinen kommen wohl mehrere Faktoren zusammen:
- Die globale Finanzkrise ab 2008 und die zyprische Banken‑ und Staatsschuldenkrise 2012/2013 ließen Nachfrage und Preise einbrechen. Viele Bauträger hatten starke Liquiditätsprobleme oder waren insolvent.
- Zypern hat ein kompliziertes System für Eigentumsurkunden (Title Deeds). Als Sicherheit werden die an dem Bau einer Immobilie beteiligten Unternehmen mit eingetragen, Streitigkeiten zwischen Eigentümern, Banken und diesen Unternehmen scheinen dazu zu führen, dass Projekte "eingefroren" werden, die Gebäude bleiben in dem Zustand, in dem sie in der jeweils aktuellen Bauphase sind.
- Einige Gebäude scheinen auf Käufer zu warten, für die man die Arbeiten dann wieder aufnehmen wollen würde...
Die Bauruinen stehen oft mitten in Siedlungen, die sonst sehr schön sind, die umliegenden Häuser und Grundstücke sind gepflegt, mittendrin steht dann eine einzelne Bauruine.

Geradezu absurd wirkt die Situation in Pervolia. Dort ist ein Areal mit sehr teuren und exklusiven Villen entstanden.
Am Rand dieses Areals stehen mehrere Gebäude, die scheinbar schon einmal ein Dach hatten, jetzt aber verfallen.
Rostige Schiffscontainer vervollständigen das Bild.
Rechts neben diesem Gebäude stehen fertiggestellte Immobilien, deren Verkaufspreise laut Website einer Immoblienmaklerfirma im Bereich von mehreren Millionen Euro liegen.

Vom Wasser aus gesehen links von diesem Areal stehen kleinere Häuser die alleine aufgrund der Größe der Grundstücke einen erheblichen Wert haben müssten. Aber auch hier ist eine Immobilie komplett verfallen, der rostige Zaun lässt darauf schließen, dass dieser Zustand schon seit Jahren besteht.

Die beiden letzten Fotos aus Pervolia habe ich am 25.12.2025 aufgenommen. An diesem Tag war es regnerisch, der Himmel präsentierte sich wie ein typischer Wintertag von blau bis grau. Die Fotos würden sicherlich an einem Sonnentag etwas weniger trostlos aussehen, an dem eigentlichen Problem ändert das aber eher nichts ...

